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Erwartungswert · Erklären & üben

Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell

Aus einem Urnenmodell leitest du eine Verteilung ab und berechnest die erwartete Anzahl roter Kugeln. Dabei prüfst du bei jedem Zug, ob eine Kugel zurückgelegt wird.

Erklärung 01

Zwei Ziehungen ohne Zurücklegen

Die Beispielurne enthält drei rote und zwei blaue gleichartige Kugeln. Es werden zwei Kugeln zufällig nacheinander gezogen; die erste wird nicht zurückgelegt. Daher bleiben beim zweiten Zug vier Kugeln übrig. Die zweite Farbwahrscheinlichkeit hängt von der ersten Farbe ab.

  1. Notiere den Bestand vor dem ersten Zug.

  2. Passe den Bestand nach jeder möglichen ersten Farbe an.

  3. Beschrifte die Äste mit bedingten Wahrscheinlichkeiten.

Ohne Zurücklegen: Bestand und Wahrscheinlichkeiten ändern sich

Beispielurne mit genau drei roten und zwei blauen Kugeln.
Vollständiger Wahrscheinlichkeitsbaum ohne Zurücklegen für drei rote und zwei blaue Kugeln.

So geht es am Beispiel

Wie wahrscheinlich ist die Farbfolge zuerst Rot, dann Blau?

P(RB)=35⋅24=310\mathsf{P(RB)=\frac35\cdot\frac24=\frac3{10}}

Nach Rot bleiben zwei rote und zwei blaue Kugeln übrig.

Ergebnis

Die Wahrscheinlichkeit beträgt 310=30 %\mathsf{\frac3{10}=30\,\%}.

Erklärung 02

Farbfolgen zur Anzahl zusammenfassen

X zählt die roten Kugeln in zwei Ziehungen. X kann null, eins oder zwei sein. Zu X=1\mathsf{X=1} gehören die beiden verschiedenen Farbfolgen RB und BR; ihre Wahrscheinlichkeiten werden addiert. Multipliziere entlang eines Pfades und addiere erst danach die passenden Pfade.

  1. Berechne die vier Pfadwahrscheinlichkeiten.

  2. Fasse Pfade mit gleicher roter Anzahl zusammen.

  3. Prüfe die Summe der drei Verteilungswerte.

P(X=1)=P(RB)+P(BR)\mathsf{P(X=1)=P(RB)+P(BR)}

So geht es am Beispiel

Bestimme die vollständige Verteilung der Anzahl roter Kugeln in der Beispielurne.

P(X=0)=25⋅14=110\mathsf{P(X=0)=\frac25\cdot\frac14=\frac1{10}}
P(X=1)=35⋅24+25⋅34=610\mathsf{P(X=1)=\frac35\cdot\frac24+\frac25\cdot\frac34=\frac6{10}}
P(X=2)=35⋅24=310\mathsf{P(X=2)=\frac35\cdot\frac24=\frac3{10}}
110+610+310=1\mathsf{\frac1{10}+\frac6{10}+\frac3{10}=1}

Ergebnis

Die Werte 0, 1 und 2 haben die Wahrscheinlichkeiten 0,1; 0,6; 0,3.

Erklärung 03

Aus der Verteilung zum Erwartungswert

Multipliziere jede mögliche Anzahl mit ihrer Wahrscheinlichkeit. Obwohl die beiden Ziehungen ohne Zurücklegen abhängig sind, ist die erwartete Anzahl roter Kugeln gleich zweimal dem ursprünglichen roten Anteil. Für n Ziehungen aus N Kugeln mit K roten gilt E(X)=nKN\mathsf{E(X)=n\frac KN}, sofern ohne Zurücklegen höchstens N Kugeln gezogen werden. Die vollständige Verteilung kann sich beim Zurücklegen ändern, obwohl dieser Erwartungswert gleich bleibt.

  1. Berechne zuerst die gewichtete Summe.

  2. Kontrolliere sie mit Anzahl der Züge mal ursprünglichem roten Anteil.

E(X)=nKN\mathsf{E(X)=n\frac KN}

So geht es am Beispiel

Berechne E(X)\mathsf{E(X)} für zwei Züge aus der Urne mit drei roten und zwei blauen Kugeln.

E(X)=0⋅110+1⋅610+2⋅310=1,2\mathsf{E(X)=0\cdot\frac1{10}+1\cdot\frac6{10}+2\cdot\frac3{10}=1{,}2}
2⋅35=1,2\mathsf{2\cdot\frac35=1{,}2}

Langfristig enthält ein Zweierzug im Mittel 1,2 rote Kugeln. In einem einzelnen Zweierzug sind nur ganze Anzahlen möglich.

Ergebnis

Der Erwartungswert ist 1,2 rote Kugeln.

Jetzt bist du dran

Aufgaben & Lösungen

Rechne zuerst selbst. Nutze den Platz für deinen Rechenweg und vergleiche anschließend mit der Lösung.

  1. Aufgabe 1Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell · EinstiegEine Urne enthält zwei rote und zwei blaue Kugeln. Zwei Kugeln werden ohne Zurücklegen gezogen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit für zuerst Rot und dann Rot.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Rechnung / Rechenweg
      P(RR)=24⋅13=16\mathsf{P(RR)=\frac24\cdot\frac13=\frac16}

    Ergebnis

    1. Wahrscheinlichkeit RRP(RR)=16\mathsf{P(RR)=\frac16}
  2. Aufgabe 2Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell · EinstiegErgänze für zwei Ziehungen ohne Zurücklegen aus zwei roten und zwei blauen Kugeln alle sechs Astwahrscheinlichkeiten im Baum. Die erste Verzweigung gibt die Farbe des ersten Zuges an.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen

    Dein vollständiger Wahrscheinlichkeitsbaum

    Baumvorlage für zwei rote und zwei blaue Kugeln ohne Zurücklegen; Astwahrscheinlichkeiten offen.

    Du kannst auf Papier arbeiten oder deine Zeichnung in Worten beschreiben.

    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Zuerst sind beide Farben gleich wahrscheinlich. Nach Rot bleibt eine rote und zwei blaue Kugeln; nach Blau bleiben zwei rote und eine blaue Kugel.

    Ergebnis

    1. Dein vollständiger WahrscheinlichkeitsbaumDie geschützte Musterzeichnung zeigt alle sechs passenden Astwahrscheinlichkeiten.
  3. Aufgabe 3Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell · StandardX zählt die roten Kugeln bei zwei Ziehungen ohne Zurücklegen aus zwei roten und zwei blauen Kugeln. Bestimme P(X=0)\mathsf{P(X=0)}, P(X=1)\mathsf{P(X=1)} und P(X=2)\mathsf{P(X=2)}.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Rechnung / Rechenweg
      P(X=0)=24⋅13=16\mathsf{P(X=0)=\frac24\cdot\frac13=\frac16}
      P(X=1)=24⋅23+24⋅23=23\mathsf{P(X=1)=\frac24\cdot\frac23+\frac24\cdot\frac23=\frac23}
      P(X=2)=16\mathsf{P(X=2)=\frac16}

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Wahrscheinlichkeit für null rote KugelnP(X=0)=16\mathsf{P(X=0)=\frac16}
    2. Wahrscheinlichkeit für eine rote KugelP(X=1)=23\mathsf{P(X=1)=\frac23}
    3. Wahrscheinlichkeit für zwei rote KugelnP(X=2)=16\mathsf{P(X=2)=\frac16}
  4. Aufgabe 4Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell · StandardFür die Verteilung aus Aufgabe 3 gilt P(X=0)=16\mathsf{P(X=0)=\frac{1}{6}}, P(X=1)=23\mathsf{P(X=1)=\frac{2}{3}}, P(X=2)=16\mathsf{P(X=2)=\frac{1}{6}}. Berechne E(X)\mathsf{E(X)} und deute das Ergebnis.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Rechnung / Rechenweg
      E(X)=0⋅16+1⋅23+2⋅16=1\mathsf{E(X)=0\cdot\frac16+1\cdot\frac23+2\cdot\frac16=1}
    2. Schritt 2 · Rechnung / Rechenweg

      Über viele Zweierzüge nach gleichem Modell erhält man im Durchschnitt eine rote Kugel je Zweierzug.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Erwartete Anzahl roter KugelnE(X)=1\mathsf{E(X)=1}
    2. DeutungIm langfristigen Durchschnitt wird je Zweierzug eine rote Kugel gezogen; einzelne Zweierzüge können null, eine oder zwei rote Kugeln enthalten.
  5. Aufgabe 5Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell · TransferNun werden aus der Urne mit zwei roten und zwei blauen Kugeln zwei Kugeln mit Zurücklegen gezogen. Berechne die Wahrscheinlichkeit für genau eine rote Kugel und den Erwartungswert. Vergleiche mit ohne Zurücklegen: dort P(X=1)=23\mathsf{P(X=1)=\frac{2}{3}} und E(X)=1\mathsf{E(X)=1}.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Rechnung / Rechenweg
      P(X=1)=2⋅12⋅12=12\mathsf{P(X=1)=2\cdot\frac12\cdot\frac12=\frac12}
      E(X)=2⋅12=1\mathsf{E(X)=2\cdot\frac12=1}
    2. Schritt 2 · Rechnung / Rechenweg

      Die Verteilungen unterscheiden sich; ihr Erwartungswert ist gleich.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Wahrscheinlichkeit für genau eine rote KugelP(X=1)=12\mathsf{P(X=1)=\frac12}
    2. ErwartungswertE(X)=1\mathsf{E(X)=1}
    3. VergleichGenau eine rote Kugel ist mit Zurücklegen seltener. Der Erwartungswert bleibt eins.
  6. Aufgabe 6Erwartungswert Übungsaufgabe: Urnenmodell · TransferEine Urne enthält vier rote und sechs blaue Kugeln. Drei Kugeln werden ohne Zurücklegen gezogen. X zählt die roten Kugeln. Berechne E(X)\mathsf{E(X)} ohne eine vollständige Verteilungstabelle.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Rechnung / Rechenweg

      Es sind n=3\mathsf{n=3} Ziehungen, K=4\mathsf{K=4} rote Kugeln und N=10\mathsf{N=10} Kugeln insgesamt.

      E(X)=3⋅410=1,2\mathsf{E(X)=3\cdot\frac4{10}=1{,}2}

    Ergebnis

    1. Erwartete Anzahl roter KugelnE(X)=1,2\mathsf{E(X)=1{,}2}

Selbstcheck

Das kann ich jetzt

  • Ich ordne jedem Wert seine Wahrscheinlichkeit zu.
  • Ich unterscheide einen langfristigen Mittelwert von einem einzelnen Ergebnis.
  • Ich begründe Modellannahmen und beschrifte meine Darstellung.

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