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Wachstumsmodelle · Erklären & üben

Wachstumsprozesse

Ein Wachstumsmodell beschreibt, wie sich eine Größe über die Zeit verändert. Vergleiche stets gleich lange Zeitschritte. Eine endliche Tabelle kann zu einem Modell passen; sie beweist kein Naturgesetz für beliebig lange Zeiten.

Erklärung 01

Zeit, Anfangswert und Darstellung

Der Anfangswert B₀ gehört zur Zeit null. Ein diskretes Modell betrachtet nur festgelegte Zeitpunkte, etwa nach jedem Arbeitsschritt. Eine kontinuierliche Funktion beschreibt dagegen alle Zeiten in einem angegebenen Bereich. Einzelne Tabellenpunkte werden deshalb nicht ohne Begründung als lückenloser Prozess aufgefasst.

  1. Benenne Größe und Einheit.

  2. Lege Zeitschritt oder kontinuierlichen Zeitbereich fest.

  3. Notiere den Wert zum Anfangszeitpunkt.

Der Anfangsindex ist hier immer null.

Erklärung 02

Linear: derselbe absolute Zuwachs

Bei linearem Wachstum kommt in jedem gleich langen Schritt dieselbe Menge d hinzu. Explizit berechnest du den Wert direkt aus n. Rekursiv verwendest du den vorherigen Wert und brauchst zusätzlich B₀. Bei kontinuierlicher Zeit t ist m eine Änderungsrate mit der Einheit Bestandsgröße pro Zeiteinheit.

  1. Vergleiche Differenzen aufeinanderfolgender Werte.

  2. Bestimme Anfangswert und Zuwachs je Schritt.

  3. Schreibe explizite oder rekursive Regel.

Bn=B0+nd\mathsf{B_n=B_0+nd} und Bn+1=Bn+d\mathsf{B_{n+1}=B_n+d}

Diskrete Werte mit waagerechter Achse Schritt n von 0 bis 4 und senkrechter Achse Bestand B in l von 0 bis 40.

So geht es am Beispiel

Ein Modellbehälter enthält anfangs 20 l. Nach jedem Füllschritt kommen 5 l hinzu. Bestimme den Wert nach drei Schritten und beide Darstellungsformen.

Explizit: Bn=20+5n\mathsf{B_n=20+5n}

Rekursiv: Bn+1=Bn+5\mathsf{B_{n+1}=B_n+5} mit B0=20\mathsf{B_0=20}

Zuwachs nach drei Schritten: 3⋅5=15\mathsf{3\cdot5=15}

Bestand: 20+15=35\mathsf{20+15=35}

Ergebnis

Nach drei Schritten sind 35 l enthalten.

So geht es am Beispiel

Ein kontinuierlicher Modellzufluss erhöht die Menge von 10 l bei t = 0 min auf 22 l bei t = 4 min. Bestimme die konstante Änderungsrate.

Mengenunterschied: 22−10=12\mathsf{22-10=12} Liter

Zeitunterschied: 4−0=4\mathsf{4-0=4} Minuten

Rate: 12:4=3\mathsf{12:4=3} Liter pro Minute

Ergebnis

Die Änderungsrate beträgt 3 l/min.

Erklärung 03

Lineare Abnahme mit Sachgrenze

Bei konstantem Abzug ist der Zuwachs d negativ. Ein Bestand wie eine Wassermenge darf im Modellkontext nicht unter null fallen. Die lineare Regel muss spätestens an dieser Grenze beendet oder durch eine andere Beschreibung ersetzt werden.

  1. Bestimme den konstanten Abzug.

  2. Schreibe die Abnahmeregel.

  3. Begrenze den Zeitbereich auf sinnvolle Bestände.

Eine algebraische Fortsetzung ist nicht automatisch eine sinnvolle Sachvorhersage.

So geht es am Beispiel

Ein Behälter enthält 40 l und verliert pro Minute konstant 8 l. Wie lange gilt das Modell bis zur Leerung?

Modell: B(t)=40−8t\mathsf{B(t)=40-8t}

Leerungszeit: 40:8=5\mathsf{40:8=5} Minuten

Für die Sachbeschreibung gilt 0 bis 5 Minuten; danach ist der Behälter leer.

Ergebnis

Das Abnahmemodell gilt hier für 0 ≤ t ≤ 5 min.

Erklärung 04

Exponentiell oder beschränkt?

Bei exponentiellem Wachstum bleibt in gleichen Zeitschritten ein Faktor q konstant. Für positive Anfangswerte gilt q größer als null: q größer als 1 bedeutet Zunahme, q zwischen 0 und 1 Abnahme, q gleich 1 Konstanz. Beim beschränkten Modell verändert sich dagegen pro Schritt ein fester Anteil des Abstands zur Schranke S. Die folgenden Beispiele sind bewusst konstruierte Modelle.

  1. Prüfe Quotienten statt Differenzen auf Konstanz.

  2. Bei einer Schranke prüfe die Abstände zu S.

  3. Verwechsle festen Zuwachs und festen Anteil nicht.

Bn=B0qn\mathsf{B_n=B_0q^n} Bn+1=Bn+k(S−Bn)\mathsf{B_{n+1}=B_n+k(S-B_n)} mit 0<k<1\mathsf{0<k<1}

Diskrete Werte mit waagerechter Achse Schritt n von 0 bis 4 und senkrechter Achse Bestand B in Einheiten von 0 bis 160.
Diskrete Werte mit waagerechter Achse Schritt n von 0 bis 5 und senkrechter Achse Bestand B in Einheiten von 0 bis 120. Die gestrichelte Schranke liegt bei 100.

So geht es am Beispiel

Ein Zahlenmodell startet bei 10 Einheiten und verdoppelt sich in jedem Schritt. Bestimme die ersten drei Werte.

Anfang: B0=10\mathsf{B_0=10}

Erster Schritt: 10⋅2=20\mathsf{10\cdot2=20}

Zweiter Schritt: 20⋅2=40\mathsf{20\cdot2=40}

Ergebnis

Die Werte lauten 10, 20 und 40 Einheiten.

So geht es am Beispiel

Ein Modellbestand startet bei 20 Einheiten und ergänzt pro Schritt die Hälfte des Abstands zu 100. Berechne zwei Schritte.

Erster Abstand: 100−20=80\mathsf{100-20=80}

Erster Zuwachs: 0,5⋅80=40\mathsf{0{,}5\cdot80=40}

Neuer Bestand: 20+40=60\mathsf{20+40=60}

Zweiter Abstand: 100−60=40\mathsf{100-60=40}

Zweiter Zuwachs: 0,5⋅40=20\mathsf{0{,}5\cdot40=20}

Zweiter Bestand: 60+20=80\mathsf{60+20=80}

Ergebnis

Die Werte nach den beiden Schritten sind 60 und 80 Einheiten.

Erklärung 05

Logistischer Verlauf als weiteres Modell

Ein kontinuierliches logistisches Modell mit positiver Schranke kann zunächst schneller und später langsamer wachsen. Als reines Zahlenmodell verwenden wir eine begrenzte Größe, keine Behauptung über eine reale Population oder Halle. Die Wachstumsgeschwindigkeit ist bei diesem Modell im Bereich der halben Schranke am größten. Die vollständige Herleitung gehört ins Thema „Logistisches Wachstum“.

Weiterlernen: Die Themen „Lineares Wachstum“, „Exponentielles Wachstum“ und „Beschränktes Wachstum“ vertiefen die jeweiligen Regeln. Tabellenwerte allein entscheiden nicht, ob ein Prozess zwischen Messzeitpunkten kontinuierlich verläuft.

  1. Benenne Schranke und Anfangswert.

  2. Unterscheide den kontinuierlichen Verlauf von einer diskreten Rekursion.

  3. Nutze das Modell nur im festgelegten Zeitbereich.

B(t)=1001+4⋅2−t\mathsf{B(t)=\frac{100}{1+4\cdot2^{-t}}} für t in Stunden und t≥0\mathsf{t\ge0}

Kontinuierlicher Graph mit waagerechter Achse Zeit t in h von 0 bis 6 und senkrechter Achse Bestand B in Einheiten von 0 bis 120. Die gestrichelte Schranke liegt bei 100.

So geht es am Beispiel

Berechne im gegebenen logistischen Zahlenmodell den Anfangswert und den Wert nach zwei Stunden.

Bei t gleich null: 20=1\mathsf{2^0=1}

Nenner: 1+4⋅1=5\mathsf{1+4\cdot1=5}

Anfangswert: 100:5=20\mathsf{100:5=20}

Bei t gleich 2: 2−2=14\mathsf{2^{-2}=\frac{1}{4}}

Nenner: 1+4⋅14=2\mathsf{1+4\cdot\frac{1}{4}=2}

Bestand: 100:2=50\mathsf{100:2=50}

Ergebnis

Der Anfangswert ist 20, der Wert nach zwei Stunden 50 Einheiten.

Jetzt bist du dran

Aufgaben & Lösungen

Rechne zuerst selbst. Nutze den Platz für deinen Rechenweg und vergleiche anschließend mit der Lösung.

  1. Aufgabe 1Wachstumsprozesse · BasisZu den Schritten n = 0, 1, 2, 3 gehören die Werte 12, 16, 20, 24. Gib den Anfangswert und den Zuwachs je Schritt an.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Anfangswert: B0=12\mathsf{B_0=12}

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Erste Differenz: 16−12=4\mathsf{16-12=4}

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Zweite Differenz: 20−16=4\mathsf{20-16=4}

    4. Schritt 4 · Erklärung

      Dritte Differenz: 24−20=4\mathsf{24-20=4}

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Anfangswert12
    2. Zuwachs je Schritt4
  2. Aufgabe 2Wachstumsprozesse · BasisSchreibe für Anfangswert 7 und Zuwachs 3 je Schritt die explizite und rekursive lineare Regel auf.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Explizit: Bn=7+3n\mathsf{B_n=7+3n}

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Rekursiv: Bn+1=Bn+3\mathsf{B_{n+1}=B_n+3} mit B0=7\mathsf{B_0=7}

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Explizite RegelBn=7+3n\mathsf{B_n=7+3n}
    2. Rekursive Regel mit AnfangswertBn+1=Bn+3\mathsf{B_{n+1}=B_n+3}, B0=7\mathsf{B_0=7}
  3. Aufgabe 3Wachstumsprozesse · BasisBerechne B4\mathsf{B_4} für Bn=8+5n\mathsf{B_n=8+5n}.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Zuwachs: 5⋅4=20\mathsf{5\cdot4=20}

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Bestand: 8+20=28\mathsf{8+20=28}

    Ergebnis

    1. B₄28
  4. Aufgabe 4Wachstumsprozesse · ÜbungDie Werte 10, 15, 23 gehören zu gleichen Zeitschritten. Passen sie zu einem linearen Modell? Begründe.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Erste Differenz: 15−10=5\mathsf{15-10=5}

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Zweite Differenz: 23−15=8\mathsf{23-15=8}

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. UrteilNein.
    2. BegründungDie Zuwächse 5 und 8 sind bei gleichen Zeitschritten verschieden.
  5. Aufgabe 5Wachstumsprozesse · ÜbungEin Zahlenmodell startet bei 5 und verwendet je Schritt den Faktor 3. Berechne B₁ und B₂.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      B1=5⋅3=15\mathsf{B_1=5\cdot3=15}

    2. Schritt 2 · Erklärung

      B2=15⋅3=45\mathsf{B_2=15\cdot3=45}

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. B₁15
    2. B₂45
  6. Aufgabe 6Wachstumsprozesse · ÜbungEin diskretes Modell hat Schranke 80, Anfangswert 20 und ergänzt je Schritt die Hälfte des Abstands zur Schranke. Berechne B₁.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Abstand: 80−20=60\mathsf{80-20=60}

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Zuwachs: 0,5⋅60=30\mathsf{0{,}5\cdot60=30}

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Neuer Wert: 20+30=50\mathsf{20+30=50}

    Ergebnis

    1. B₁50
  7. Aufgabe 7Wachstumsprozesse · TransferEin Behälter enthält 30 l und verliert gleichmäßig 6 l je Minute. Berechne die Leerungszeit und gib den sinnvollen Zeitbereich der linearen Abnahme an.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Leerungszeit: 30:6=5\mathsf{30:6=5} Minuten

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Negative Wassermengen sind im Sachkontext nicht zulässig.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Leerungszeit5 min
    2. Zeitbereich0 bis 5 min
  8. Aufgabe 8Wachstumsprozesse · TransferVier Messwerte haben dieselben Differenzen bei gleichen Zeitabständen. Beweist das lineares Wachstum für alle zukünftigen Zeiten? Begründe.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Die endlichen Daten passen zu einer linearen Regel. Außerhalb der beobachteten Zeiten können sich die Bedingungen ändern.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. UrteilNein.
    2. BegründungDie Tabelle stützt das Modell für die beobachteten Werte, beweist aber keine unbegrenzte Gültigkeit.
  9. Aufgabe 9Wachstumsprozesse · TransferIm kontinuierlichen Modell B(t)=100/(1+4⋅2−t)\mathsf{B(t)=100/(1+4\cdot2^{-t})} ist t die Zeit in Stunden. Nenne die Schranke und den Anfangswert.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Die Schranke des gegebenen Modells ist 100.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Bei t gleich null ist der Nenner 1+4=5\mathsf{1+4=5}

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Anfangswert: 100:5=20\mathsf{100:5=20}

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Schranke100 Einheiten
    2. Anfangswert20 Einheiten

Selbstcheck

Das kann ich jetzt

  • Ich benenne Anfangswert, Zeiteinheit und Modellbereich.
  • Ich unterscheide konstante Differenz und konstanten Faktor.
  • Ich lese eine rekursive Regel mit Anfangswert.
  • Ich erkenne eine Schranke und die Grenze von Tabellenbelegen.

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