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Wachstumsmodelle · Erklären & üben

Logistisches Wachstum

Logistisches Wachstum beschreibt einen positiven Bestand, dessen Zunahme durch eine Sättigungsgrenze gebremst wird. Ein stetiges Modell und eine diskrete Rekursion sind dabei verschiedene Modelle.

Erklärung 01

Sättigung und Anfangswert

Wir betrachten das stetige Modell B(t)=S/(1+ce−kt)\mathsf{B(t)=S/(1+ce^{-kt})} für t≥0\mathsf{t\ge0}, S>0\mathsf{S>0}, k>0\mathsf{k>0} und 0<B0<S\mathsf{0<B_0<S}. Dann ist c=S/B0−1>0\mathsf{c=S/B_0-1>0}. S ist die Sättigungsgrenze und B null der Anfangswert. Der Bestand wächst von unten gegen S und erreicht S nicht zu einer endlichen Modellzeit. Die Zeit- und Bestandseinheiten müssen festgelegt sein.

  1. Lege Zeit- und Bestandseinheit fest.

  2. Prüfe Anfangswert zwischen null und S.

  3. Bestimme c aus Anfangswert und Grenze.

B(0)=S/(1+c)=B0\mathsf{B(0)=S/(1+c)=B_0}.

So geht es am Beispiel

Es gelten S gleich 120 Bestandseinheiten und B null gleich 30. Bestimme c.

Teile 120:30=4\mathsf{120:30=4}.

Subtrahiere 4−1=3\mathsf{4-1=3}.

Ergebnis

c gleich 3

Erklärung 02

Werte einer stetigen Funktion

Als eigenes Modell für die während sechs Tagen verfügbare Ausbreitung einer Kultur verwenden wir B(t)=120/(1+3⋅2−t)\mathsf{B(t)=120/(1+3\cdot2^{-t})}. Der Bestand wird in Modell-Flächeneinheiten angegeben. Hier gilt k=ln⁡(2)\mathsf{k=\ln(2)} pro Tag. Das ist eine Modellannahme, keine Messreihe oder Prognose für eine konkrete Art.

  1. Setze die Zeit ein.

  2. Berechne Potenz und Nenner.

  3. Runde nur das verlangte Ergebnis.

B(t)=1201+3⋅2−t\mathsf{B(t)=\frac{120}{1+3\cdot2^{-t}}}, t in Tagen.

Stetiges Modell: B(t) = 120 / (1 + 3 · 2⁻ᵗ). Start 30; Sättigungsgrenze 120 wird nicht endlich erreicht. Achsen: t: Tage seit Beginn; Modell-Flächeneinheiten

So geht es am Beispiel

Berechne den Modellwert nach einem Tag.

Potenz: 2−1=0,5\mathsf{2^{-1}=0{,}5}.

Produkt im Nenner: 3⋅0,5=1,5\mathsf{3\cdot0{,}5=1{,}5}.

Nenner: 1+1,5=2,5\mathsf{1+1{,}5=2{,}5}.

Quotient: 120:2,5=48\mathsf{120:2{,}5=48}.

Ergebnis

48 Flächeneinheiten

So geht es am Beispiel

Berechne den Modellwert nach zwei Tagen und runde auf zwei Dezimalstellen.

Potenz: 2−2=0,25\mathsf{2^{-2}=0{,}25}.

Produkt: 3⋅0,25=0,75\mathsf{3\cdot0{,}25=0{,}75}.

Nenner: 1+0,75=1,75\mathsf{1+0{,}75=1{,}75}.

Quotient: 120:1,75=480/7\mathsf{120:1{,}75=480/7}.

Gerundet: 480/7≈68,57\mathsf{480/7\approx68{,}57}.

Ergebnis

Etwa 68,57 Flächeneinheiten

Erklärung 03

Zunahme und Wendepunkt

Das stetige Modell erfüllt B′(t)=kB(t)(1−B(t)/S)\mathsf{B^{\prime}(t)=kB(t)(1-B(t)/S)}. Die Zunahme ist für Bestände zwischen null und S positiv. Als Funktion des Bestands ist sie bei B=S/2\mathsf{B=S/2} am größten. Ein Wendepunkt liegt dort, wenn die betrachtete Zeitspanne diesen Bestand enthält. Bei B0<S/2\mathsf{B_0<S/2} liegt er bei positiver Zeit, bei B0=S/2\mathsf{B_0=S/2} am Anfang. Bei B0>S/2\mathsf{B_0>S/2} ist der Bestand im Zeitbereich ab null bereits oberhalb des Wendebestands.

  1. Halbiere die Sättigungsgrenze.

  2. Prüfe den Anfangswert relativ zu S halbe.

  3. Prüfe, ob die Wendezeit im Modellintervall liegt.

tW=ln⁡(c)/k\mathsf{t_W=\ln(c)/k}; nur innerhalb des gewählten Zeitbereichs als Wendepunkt sichtbar.

Wende nur innerhalb des betrachteten Zeitraums. Bei B = S/2 = 60 ist die momentane Zunahme am größten. Achsen: t: Tage seit Beginn; Modell-Flächeneinheiten

So geht es am Beispiel

Bestimme den Wendebestand für S gleich 120.

Halbiere 120:2=60\mathsf{120:2=60}.

Ergebnis

60 Bestandseinheiten

So geht es am Beispiel

Für S gleich 120, c gleich 3 und k gleich ln 2: Bestimme die Wendezeit.

Setze tW=ln⁡(3)/ln⁡(2)\mathsf{t_W=\ln(3)/\ln(2)}.

Das ergibt näherungsweise 1,585 Tage.

Ergebnis

Etwa 1,585 Tage; im Zeitbereich von null bis sechs Tagen enthalten.

Erklärung 04

Diskrete logistische Rekursion

Ein eigenes diskretes Modell mit einem Tag je Schritt lautet Bn+1=Bn+rBn(1−Bn/S)\mathsf{B_{n+1}=B_n+rB_n(1-B_n/S)}. Wir verwenden 0<r≤1\mathsf{0<r\le1} und 0<B0<S\mathsf{0<B_0<S}; damit bleiben die folgenden Bestände unter S und wachsen. Der Parameter r gehört zu diesem Zeitschritt. Diese Rekursion liefert im Allgemeinen nicht exakt die Tageswerte der stetigen Funktion. Die Gleichsetzung von r und k macht die Modelle nicht identisch.

  1. Benenne die Schrittdauer.

  2. Berechne den Zuwachs aus dem alten Bestand.

  3. Addiere den Zuwachs erst danach.

Diskrete Rekursion und stetige Funktion getrennt berechnen.

Diskret: Bₙ₊₁ = Bₙ + 0,5 Bₙ (1 − Bₙ/100). Erste Werte: 20; 28; 38,08. Eigenes diskretes Modell. Achsen: n: volle Tage seit Beginn; Bestandseinheiten

So geht es am Beispiel

Ein diskretes Modell hat S gleich 100, r gleich 0,5 und B null gleich 20. Berechne B eins.

Restanteil: 1−20/100=0,8\mathsf{1-20/100=0{,}8}.

Zuwachs: 0,5⋅20⋅0,8=8\mathsf{0{,}5\cdot20\cdot0{,}8=8}.

Neuer Bestand: 20+8=28\mathsf{20+8=28}.

Ergebnis

28 Bestandseinheiten

So geht es am Beispiel

Berechne den zweiten Tag desselben diskreten Modells.

Restanteil: 1−28/100=0,72\mathsf{1-28/100=0{,}72}.

Zuwachs: 0,5⋅28⋅0,72=10,08\mathsf{0{,}5\cdot28\cdot0{,}72=10{,}08}.

Neuer Bestand: 28+10,08=38,08\mathsf{28+10{,}08=38{,}08}.

Ergebnis

38,08 Bestandseinheiten

Erklärung 05

Funktion bestimmen und Modelle abgrenzen

Aus S und B null folgt c. Ein zusätzlicher positiver Zeitpunkt mit passendem Zwischenbestand kann k bestimmen. Die Darstellungen als Formel, Tabelle und Graph müssen dasselbe Modell und dieselben Einheiten verwenden. Ein begrenztes Modell bleibt eine Annahme; allgemeine Wachstumsprozesse umfassen auch lineare, exponentielle und andere Verläufe. Chaotische diskrete Modelle werden hier nicht behandelt.

  1. Bestimme c aus dem Anfangswert.

  2. Nutze den zusätzlichen Modellwert für k.

  3. Nenne Gültigkeitsbereich und Einheiten.

Positive Parameter und sinnvoller Zeitbereich sind Teil der Modellangabe.

S = 90, B(0) = 30, B(1) = 45. c = 90 : 30 − 1 = 2. Anfangswert legt c fest.. 1 + 2 e⁻ᵏ = 2. Der Wert bei einem Tag legt den Nenner fest.. e⁻ᵏ = 1/2; k = ln(2) pro Tag. Die Funktion lautet 90 / (1 + 2 e⁻ᵏᵗ).. S, Anfangswert, Zeit und Rate gemeinsam angeben.

So geht es am Beispiel

Ein stetiges Modell hat S gleich 90, B null gleich 30 und B eins gleich 45, Zeit in Tagen. Bestimme c und k.

Anfangsparameter: 90/30−1=2\mathsf{90/30-1=2}.

Die Bedingung bei eins lautet 45=90/(1+2e−k)\mathsf{45=90/(1+2e^{-k})}.

Der Nenner muss 90:45=2\mathsf{90:45=2} sein.

Daraus folgt 2e−k=1\mathsf{2e^{-k}=1}.

Also gilt e−k=1/2\mathsf{e^{-k}=1/2}.

Logarithmieren liefert k=ln⁡(2)\mathsf{k=\ln(2)} pro Tag.

Ergebnis

B(t)=90/(1+2e−ln⁡(2)t)\mathsf{B(t)=90/(1+2e^{-\ln(2)t})} für t ab null.

Jetzt bist du dran

Aufgaben & Lösungen

Rechne zuerst selbst. Nutze den Platz für deinen Rechenweg und vergleiche anschließend mit der Lösung.

  1. Aufgabe 1Logistisches Wachstum · 1Es gelten S gleich 200 und B null gleich 50. Bestimme c im stetigen logistischen Modell.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Teile 200:50=4\mathsf{200:50=4}.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Subtrahiere 4−1=3\mathsf{4-1=3}.

    Ergebnis

    1. Parameter c3
  2. Aufgabe 2Logistisches Wachstum · 1Berechne B(0)\mathsf{B(0)} für B(t)=80/(1+3⋅2−t)\mathsf{B(t)=80/(1+3\cdot2^{-t})}.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Bei null ist 20=1\mathsf{2^0=1}.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Der Nenner ist 1+3=4\mathsf{1+3=4}.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Teile 80:4=20\mathsf{80:4=20}.

    Ergebnis

    1. Anfangswert20
  3. Aufgabe 3Logistisches Wachstum · 2Berechne B(1)\mathsf{B(1)} für B(t)=80/(1+3⋅2−t)\mathsf{B(t)=80/(1+3\cdot2^{-t})}, Zeit in Tagen.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Die Potenz ist 0,5.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Der Nenner ist 1+3⋅0,5=2,5\mathsf{1+3\cdot0{,}5=2{,}5}.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Teile 80:2,5=32\mathsf{80:2{,}5=32}.

    Ergebnis

    1. Bestand nach einem Tag32
  4. Aufgabe 4Logistisches Wachstum · 2Ein stetiges logistisches Modell hat S gleich 80 und B null gleich 20. Nenne Sättigungsgrenze und Wendebestand. Liegt die Wende bei positiver Zeit, wenn k positiv ist?Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Die Grenze ist S.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Der Wendebestand ist 80:2=40\mathsf{80:2=40}.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Der Anfangswert 20 liegt unter 40.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Sättigungsgrenze80
    2. Wendebestand40
    3. Wende bei positiver Zeit?Ja
  5. Aufgabe 5Logistisches Wachstum · 3Ein stetiges logistisches Modell hat S gleich 100 und B null gleich 70. Liegt sein Wendepunkt im Zeitbereich t größer oder gleich null? Begründe.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Der Wendebestand ist 100:2=50\mathsf{100:2=50}.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Der Anfangswert 70 liegt bereits über 50.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Das Modell wächst weiter, erreicht 50 also im zukünftigen Zeitbereich nicht.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Wendepunkt ab null?Nein
    2. BegründungDer Bestand startet oberhalb der halben Sättigungsgrenze. Die Wende liegt vor dem Modellbeginn.
  6. Aufgabe 6Logistisches Wachstum · 2Diskretes Tagesmodell: S gleich 100, r gleich 0,4 und B null gleich 25. Berechne ersten Zuwachs und B eins.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Restanteil: 1−25/100=0,75\mathsf{1-25/100=0{,}75}.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Zuwachs: 0,4⋅25⋅0,75=7,5\mathsf{0{,}4\cdot25\cdot0{,}75=7{,}5}.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Neuer Bestand: 25+7,5=32,5\mathsf{25+7{,}5=32{,}5}.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Erster Zuwachs7,5
    2. B eins32,5
  7. Aufgabe 7Logistisches Wachstum · 3Darf man die Tageswerte einer diskreten logistischen Rekursion ohne Weiteres mit denen einer stetigen logistischen Funktion gleichsetzen? Begründe.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Die Rekursion berechnet einen endlichen Zuwachs aus dem alten Bestand.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Im stetigen Modell ändert sich die Änderungsrate während der Zeit fortlaufend.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Ohne Weiteres gleichsetzen?Nein
    2. BegründungDie Modelle verwenden verschiedene Zeitbeschreibungen. Ihre Parameter und Werte sind nicht automatisch identisch.
  8. Aufgabe 8Logistisches Wachstum · 3Bestimme ein stetiges logistisches Modell mit S gleich 60, B null gleich 20 und B eins gleich 30. Zeit in Tagen. Gib c, k und die Funktion an.Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Berechne 60/20−1=2\mathsf{60/20-1=2}.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Bei eins muss der Nenner 60:30=2\mathsf{60:30=2} sein.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Es folgt 2e−k=1\mathsf{2e^{-k}=1}.

    4. Schritt 4 · Erklärung

      Also gilt e−k=1/2\mathsf{e^{-k}=1/2}.

    5. Schritt 5 · Erklärung

      Daraus folgt k=ln⁡(2)\mathsf{k=\ln(2)} pro Tag.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. Parameter c2
    2. Parameter kln⁡(2)\mathsf{\ln(2)} pro Tag
    3. FunktionB(t)=60/(1+2e−ln⁡(2)t)\mathsf{B(t)=60/(1+2e^{-\ln(2)t})}
  9. Aufgabe 9Logistisches Wachstum · 3Gilt die hier behandelte Parameterform mit c positiv für B null gleich S? Entscheide und berechne c. Welche konstante Lösung entsteht bei c gleich null?Aufgabe öffnenAufgabe einklappen
    Lösung & Rechenweg

    Rechenweg

    1. Schritt 1 · Erklärung

      Setze c=S/S−1=0\mathsf{c=S/S-1=0}.

    2. Schritt 2 · Erklärung

      Der Nenner wird eins.

    3. Schritt 3 · Erklärung

      Damit ist der Bestand zu jeder Zeit S.

    Ergebnisse & Teilantworten

    1. c positiv erfüllt?Nein
    2. Wert von c0
    3. Konstante LösungB(t)=S\mathsf{B(t)=S}

Selbstcheck

Das kann ich jetzt

  • Ich nenne Sättigung und Anfangswert.
  • Ich prüfe die Parameterbedingungen.
  • Ich behaupte eine Wende nur im passenden Zeitbereich.
  • Ich unterscheide diskrete und stetige Modelle.

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